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Freie Hansestadt Bremen
Erste schriftliche Berichte über Bremen stammen aus dem 8. Jahrhundert und stehen in Zusammenhang mit der Christianisierung. Karl der Große hatte den angelsächsischen Geistlichen Willehad mit der Missionierung der Sachsen beauftragt. Dieser wählte 787 die noch kleine Siedlung Bremen als Ausgangspunkt seiner Bemühungen und errichtete einen ersten Holzdom. 845 wurde Bremen zum Sitz des Erzbischofs erhoben, von wo aus Erzbischof Ansgar den Ostseeraum aus missionierte. Durch den Bischofssitz wurde die Siedlung zu einem bedeutenden Zentrum, was seinen Niederschlag in einer steigenden Einwohnerzahl und dem Zuzug von Handwerkern und Händlern fand. Folgerichtig verlieh Kaiser Otto I. Bremen 965 das Markt- Münz- und Zollrecht.
Die Kirche baute Bremen zu einem ihrer wichtigsten Stützpunkte aus. Unter Bischof Adalbert (1043-1072) wurde die Stadt zum größten Bistum der damaligen Welt, die Macht des Kirchenfürsten reichte bis nach Skandinavien, Grönland und Island. Bremen war zu einem internationalen Handelsplatz geworden, in dem Waren aus England, Flandern oder Skandinavien umgeschlagen wurden. Entsprechend den Bedürfnissen der Kaufleute entstand im 13. Jahrhundert durch Befestigung eines Nebenarms der Weser ein Hafen, und über die Weser selbst wurde eine erste Holzbrücke errichtet. Gleichzeitig sollte der Ausbau von Wehranlagen Schutz gegen Angriffe bieten.
Der wachsende Wohlstand der Bremer Kaufleute führte zu einem gesteigerten Selbstbewusstsein. Einige Kaufleute hatten es zu großem Wohlstand gebracht und forderten über den Stadtrat nun mehr politischen Einfluss. Dabei stießen sie auf den Widerstand der Kirche, die bislang die Stadt uneingeschränkt regiert und kontrolliert hatte. Kriegsknechte des Erzbischofes brannten den von Bürgern errichteten hölzernen Roland auf dem Marktplatz nieder. Die Kaufleute ließen an gleicher Stelle 1404 einen Roland aus Stein errichten: ein Symbol der stadtbürgerlichen Macht, der Unabhängigkeit und Freiheit. Auch das Anfang des 15. Jahrhunderts am Markt errichtete prunkvolle Rathaus zeugte vom Selbstbewusstsein der Bürger. Die Bremer Kaufleute fühlten sich sogar stark genug, einen Konflikt mit der Hanse zu wagen: Als das Handelsbündnis Mitte des 14. Jahrhunderts Flandern boykottierte, brach Bremen das Embargo. Daraufhin drohte ein militärischer Konflikt, weshalb die Stadt dem Handelsbund beitrat und Freie Hansestadt wurde.
1522 hielt Heinrich von Zütphen, ein Freund Martin Luthers, auf Einladung einiger Bürger eine Predigt in Bremen. Die lutherischen Gedanken von der Freiheit der Christen und die Klagen über die damalige Amtskirche fielen bei den Bürgern auf fruchtbaren Boden, innerhalb kürzester Zeit fand die Reformation Verbreitung. 1528 musste Erzbischof Christoph die Stadt schließlich verlassen. Seine Drohung, die Stadt mit Hilfe von Truppen zum rechten Glauben zurückzuführen, blieb folgenlos.
In den folgenden Jahrzehnte durchlebte Bremen eine friedliche Periode. Während des Dreißigjährigen Krieges, der weite Teile Mitteleuropas verwüstete, blieb die Hansestadt durch eine geschickte, auf Neutralität abzielende Politik von Plünderungen und Zerstörungen verschont. Auch als 1806 die übermächtigen Truppen Napoleons vor den Stadttoren standen, entschied die Bürgerschaft keinen militärischen Widerstand zu leisten. Allerdings kam es immer wieder zu Protestaktionen gegen die Besatzer. Nach der Niederlage Napoleons bei der Schlacht bei Leipzig konnte der Bremer Gesandte Johann Smidt auf dem Wiener Kongress 1814, der über die europäische Nachkriegsordnung entschied, die Angliederung Bremens an Preußen oder Hannover verhindern. Die Eigenständigkeit der Freien Hansestadt blieb gewahrt; sie wurde eines von 38 souveränen Mitgliedern im Deutschen Bund.
Bremen trat nun in eine neue Phase. Der Handel mit fernen Ländern, insbesondere auch mit Amerika, trieb die Wirtschaft zu einer neuen Blüte. Gleichzeitig nahm der Schiffsbau einen regen Aufschwung, und 1817 lief in Vegesack mit der Weser das erste deutsche Dampfschiff vom Stapel. Die Stadt hatte jedoch Probleme, die mit der Weser zusammenhingen. Der Strom, der den Aufstieg Bremens erst ermöglich hatte, drohte zu versanden. Große Schiffe konnten bereits die Häfen nicht mehr anlaufen und mussten ihre Ladung vor der Stadt löschen, was die Einnahmen schmälerte. Der Senat erwarb 1827 nach zähen Verhandlungen von Hannover gegen die Zahlung von 74.000 Talern ein 342 Morgen großes Landstück an der Wesermündung. Hier errichtete man moderne Hafenanlagen, deren Kosten die Stadt an den Rand des Ruins brachten. Doch die Investition lohnte sich, 1835 konnten 50.000 t Fracht umgeschlagen werden, 30 Jahre später bereits die zehnfache Menge.
Eine besondere Bedeutung hatte Bremerhaven für die steigende Zahl von Auswanderern, die in den USA ihr Glück suchten. Rund sieben Millionen Menschen aus vielen Teilen Europas starteten zwischen 1830 und 1960 von hier aus in Richtung Übersee. Das Auswanderergeschäft war äußerst lukrativ, Hotels und Einzelhandel profitierten ebenso wie die Schiffseigner. Zu einer der bedeutensten Reedereien stieg der 1857 in Bremen gegründete Norddeutsche Lloyd auf.
Obwohl der Bau Bremerhavens ein großer Erfolg war, holte Bremen das Probleme der Versandung der Weser bald wieder ein. Die Stadt konnte nicht von der Industrialisierung profitieren, da die Schiffe mit Rohstoffen nicht die Weser herunterfahren konnten und so die Ansiedlung von Unternehmen ausblieb. Deshalb beschloss der Senat mit Hilfe modernster Techniken Begradigung und Ausbau der Weser. Dem 1883 abgeschlossen Projekt folgte der Bau neuer Hafenanlagen, darunter der Freihafen und der Industriehafen. Damit waren die Voraussetzungen für eine Industrialisierung geschaffen, die nun auch rasch einsetzte. Ablesbar ist diese Entwicklung an den Einwohnerzahlen, die sich zwischen 1880 und 1910 mit 245.000 verdoppelte.
Gegen Ende des Ersten Weltkriegs kam es auf den Werften der Stadt mehrfach zu Arbeitsniederlegungen und Streiks, die sich gegen das Fortführen des Krieges und gegen das Kaiserreich richteten. Nach der Abdankung Wilhelms II. riefen Arbeiter der A.G. "Weser" 1919 gemeinsam mit heimgekehrten Soldaten die "Sozialistische Räterepublik Bremen" aus. Der Aufstand wurde von einem Freikorps im Auftrage der Mehrheitssozialisten blutig niedergeschlagen, was die Spaltung innerhalb der Arbeiterbewegung vertiefte.
Wie andere deutsche Städte auch, hatte Bremen in den 1920er und frühen 1930er Jahren unter Inflation, Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit zu leiden. Vor diesem Hintergrund konnten die Nationalsozialisten, die zuvor in der Stadt keinen großen Rückhalt hatten, bei den Reichstagswahlen 32,6 % der Bremer Stimmen erringen. Nach der Machtergreifung verlor Bremen seine Selbständigkeit, im Rahmen der Gleichschaltung der Länder wurde es gemeinsam mit dem Land Oldenburg einem Reichsstatthalter unterstellt.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde Bremen schwer zerstört. Als eines der Rüstungszentren des Deutschen Reiches, Schiffe, U-Boote, Fahrzeuge und Flugzeuge wurden in der Stadt in großer Zahl gefertigt, war die Stadt ab 1942 immer wieder Ziel von Angriffen alliierter Bomberverbände. Ganze Stadtviertel fielen in Schutt und Asche. Bei den Angriffen starben rund 4.000 Menschen, 60 % der Stadt bzw. 130.000 Wohnungen wurden zerstört.
Am 27. April 1945 besetzten britische Truppen Bremen. Zusammen mit Bremerhaven kam die Stadt jedoch als Enklave unter Verwaltung der US-amerikanischen Besatzungszone. Die neuen Machthaber setzten den Sozialdemokraten Wilhelm Kaisen (*22.5.1887, †19.12.1979) als Bürgermeister ein und errichteten im Januar 1947 das "Land Bremen", das 1949 ein Land der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland wurde. Damit hatte die Freie Hansestadt seine 1933 verloren gegangene Souveränität wiedererlangt.
Der Wiederaufbau Bremens ist untrennbar mit Bürgermeister Kaisen verbunden, der sich zunächst um die Instandsetzung der wirtschaftlichen Grundlagen bemühte. Die Wohnungsnot versuchte der von ihm geführte Senat durch den Bau von gemeinnützigen Großsiedlungen zu lindern: die Gartenstadt Vahr (1956-1959) und die Neue Vahr (1957-1962). Diese Siedlungen boten 5.000 bzw. 3.0000 Menschen Wohnraum und hatten Modellcharakter für die gesamte Bundesrepublik. Kaisen erfreute sich großer Popularität. Davon profitierte seine Partei, die SPD, die in Bremen bis in die heutige Zeit eine Hochburg hat und bislang alle Bürgermeister stellte.
In den 80er Jahren geriet Bremen zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Im Rahmen des Strukturwandel waren Handel und Schiffsbau, die einst den Wohlstand gebracht hatten, stark rückläufig. So mussten die Werften A.G. "Weser" und Bremer Vulkan schließen. Probleme bereiten auch sinkende Steuereinnahmen; immer mehr Betriebe siedelten sich im Umland an und zahlten ihre Steuern in Niedersachsen.
Politisches System
Gemäß der Landesverfassung vom 21. Oktober 1947, die in den folgenden Jahren mehrfach modifiziert wurde, wählt die Bevölkerung alle vier Jahre mit der Bürgerschaft das gesetzgebende Organ. Es besteht aus 100 Abgeordneten, von denen 20 aus Bremerhaven stammen. Die Bürgerschaft wählt den Senat (Regierung), der seinerseits zwei Bürgermeister bestimmt: den Präsidenten des Senats, der damit das Amt des Regierungschefs ausübt, sowie seinen Stellvertreter. Die Verfassung enthält auch plebiszitäre Elemente wie Volksbegehren und Volksentscheid.
Wegen der Besonderheit des aus zwei Städten bestehenden Stadtstaates herrschen für Bremerhaven gewisse Sonderregelungen.