Werder Bremen - 1899 von 16 jährigen aus handelsbürgerlichen Schichten stammenden Schülern, als Fußballverein (FV) gegründet und 1920 zum Sportverein (SV) erweitert - repräsentierte von Beginn an Bremens "bessere Kreise". Der um die Jahrhundertwende langsam populär gewordene Associations-Fußball hatte sich, wie auch der Rubgy-Fußball, den Anfeindungen der nationalistisch gesonnenen Turnbewegung zu erwehren. Man warf ihm aus diesen Kreisen vor, eine englische und damit "undeutsche" Sportart zu sein.

 
Das erste Logo des FV Werder Bremen.

 

Einerseits verzeichnete Werder früh die erste fußballerischen Erfolge auf Bremer Ebene (so wurden 1903 die Meisterschaften in allen drei vorhandenen Bremer Klassen errungen), anderseits artete so manche "dritte Halbzeit" zu einer feuchtfröhlichen Feier der Spieler und Vereinsmitglieder aus. Schon in dieser frühen Phase der Vereinsgeschichte wurde beklagt, dass der Verein mehr und mehr auseinander fiele und die Geborgenheit der "Werder Familie" damit verloren gehe.

 

Kurz vor dem 1.Weltkrieg hatten Werders Fußballer als einziger Bremer Verein den Aufstieg in die neugegründete norddeutsche Verbandsliga geschafft und damit auch außerhalb Bremens auf sich aufmerksam gemacht. Trotz dieser sportlichen Erfolge fehlte dem Verein dennoch ein angemessener Sportplatz. Ungeachtet aller Bemühungen musste man sich mit dem (recht stadtfernen) Platz an der Huckelriede (Bremer Neustadt) begnügen, während 1925 der "große Konkurrent" um die Vorherrschaft in Bremen, der Allgemeine Bremer Turn- und Sportverein, das Weser-Stadion bauen konnte. Da sich der ABTS mit dem Bau wirtschaftlich übernommen hatte, konnte Werder ab Anfang 1930 diese ABTS-Kampfbahn - während der 12 Jahre Nationalsozialismus in Bremer Kampfbahn umbenannt - als Generalpächter nutzen.

 
Das Weserstadion im Jahr 1928.

 

In diese Jahre nationalsozialistischer Herrschaft fielen auch Werders erste überregionale Meisterschaften (Gaumeisterschaft Niedersachsen) in den Serien 1933/34, 1935/37, die u.a. durch das finanzielle Engagement der ersten Mäzene erreicht werden konnte. Der zweite Weltkrieg und damit eingehende Behinderungen des gesamten öffentlichen Lebens schränkten Werders Fußballbetrieb ein - ganz eingestellt wurde er jedoch erst wenige Wochen vor der militärischen Niederlage des Nationalsozialistischen Deutschen Reiches am 08. Mail 1945.

 
Vereinsnachrichten SV Werder Bremen vom April 1936.

 

Allen Widrigkeiten des frühen Nachkriegsdeutschlands in der amerikanischen Enklave zum Trotz, wurde der Verein und sein Sportbetrieb im Herbst 1945/Frühjahr 1946 wieder aufgenommen. Der (Bremer) Stadtmeisterschaft 1946 folgte die Niedersachsenmeisterschaft im Fußball 1946/47. In der Oberliga, ab 1948/50 unter Vertragsspielerbedingungen ausgespielt, blieben trotz aller Anstrengungen Platzierungen in der Spitzengruppe aus. Die "Texas Elf" (nach einer Zigarettenmarke amerikanischen Zuschnitts der Firma benannt, die Werder finanziell und mit Bereitstellung von Arbeitsplätzen für die Spieler unterstützte) und wegen seiner Launenhaftigkeit auch als "Sphinx" des Nordens bezeichnet, wurde erst wenige Jahre vor Einführung der Bundesliga - bei erstmaligen Gewinn des Pokals 1961 - zur "Nummer zwei" im Norden (hinter dem HSV). Diese guten Platzierungen sowie die Teilnahme an den folgenden Spielen um die Deutsche Meisterschaft führten zu einer problemlosen Berücksichtigung in dieser neuen Liga (ab 1963/64).

 

Schon in der zweiten Saison 1964/65 wurde Werder erstmalig und überraschend umjubelter Deutscher Fußballmeister (die Amateure brachten dieses Kunststück 1966 und 1985 fertig). Der Deutschen Vize-Meisterschaft 1968 folgen die "mageren" siebziger Jahre, an deren Ende, nach verschiedenen "Zitterserien", der Abstieg aus der höchsten deutschen Spielklasse stand. Auch der spektakuläre Aufbau der "Millionen-Elf" 1971/72 konnte diese sportliche und wirtschaftliche Talfahrt von Verein und Profimannschaft nicht verhindern.

 

Nach nur einer Spielzeit in der 2.Liga, Gruppe Nord, wurde jedoch 1981 - bereits mit Trainer Otto Rehhagel - der direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga geschafft. In den folgenden Jahren - der erfolgreichsten Phase des Vereins - konnte in jeder Saison die Qualifikation zu einem europäischen Cup-Wettbewerb erreicht werden. Wer erinnert sich nicht an die teilweise dramatischen Spielverläufe der Begegnungen beispielsweise gegen Dundeee United, Malmö FF, Lokomotive Leipzig, RSC Anderlecht, Schwarzmeer Odessa, Atletico Madrid, Spartak Moskau, Dynamo Ost-Berlin und AC Milan ? Absoluter Höhepunkt für den SV Werder und die Stadt Bremen war die Erringung der zweiten Deutschen Meisterschaft in der Saison 1987/88. Ganz Bremen feierte in grün-weiß, selbst "Nicht-Fußball-Fans" konnten sich dem Erfolg nicht entziehen.

 

Ein wechselvolles Unterfangen stellten die Pokalwettbewerbe jeweils mit Finalteilnahmen im Berliner Olympiastadion der Jahre 1989, 1990 und 1991 dar. Während gegen Borussia Dortmund 1989 und den 1.FC Kaiserslautern 1990 das Endspiel verlorenging, bewahrheitete sich der Bremer Volksmund, "dreimal ist Bremer Recht": Gegen den 1.FC Köln gelang 1991 zum zweiten Mal der Pokalsieg im Elfmeterschießen.

 

Den internationalen Erfolgen des SV Werder Bremen in den 80er Jahren sollte sich in der Saison 1991/92 im folgenden europäischen Pokalsiegerwettbewerb der größte Triumph einstellen. Nach spannenden Spielen beispielsweise gegen Galatasaray Istanbul und FC Brügge gelang der Einzug ins Endspiel in Lissabon und hier konnte dann auch der AS Monaco mit 2:0 geschlagen und der Europapokal der Pokalsieger gewonnen werden. Selbstverständlich "kam der SV Werder damit auch wieder auf den Rathausbalkon".

 

Nahtlos schloss sich für den SV Werder Bremen eine erfolgreiche Bundesliga-Saison an. Nachdem die Mannschaft den Großteil der Saison in "Lauerstellung" im oberen Tabellendrittel hinter dem großen Rivalen FC Bayern München gestanden hatte, gelang auf der "Zielgerade" das Überholen. Zwei Spieltage vor Schluss sprach das schlechtere Torverhältnis und der vermeintlich leichtere Gegner am letzten Spieltag für die Süddeutschen. Mit einem Kantersieg von 5:0 gegen den Hamburger SV im Weserstadion und einem 3:0 Auswärtssieg beim VfB Stuttgart wurde vor 8.000 mitgereisten Bremern das Fernduell mit Bayern München bei Schalke 04 gewonnen und damit die dritte Deutsche Meisterschaft "eingefahren".

 

In der darauffolgenden Spielzeit im Europapokal der Landesmeister gelang mit Werder Bremen erstmals der Einzug eines deutschen Vertreters in die Champions-League. Diese in Gruppenspielen ausgetragene Endrunde gegen den FC Porto, RSC Anderlecht und AC Mailand stürzte den Verein und die Zuschauer/Fans in ein Wechselbad der Gefühle. Einer grandiosen Aufholjagd im Heimspiel gegen den RSC Anderlecht, getragen von der die ganze 2. Halbzeit durchgehaltene Stimmung aus der Fan-Kurve - ein 0:3 bis zur 70. Spielminute wurde in einen 5:3-Sieg umgewandelt -, folgte eine "Packung" gegen den FC Porto. Der zweite Sieg gegen Anderlecht langte nicht mehr zum entscheidenen zweiten Platz, der das Halbfinale bedeutet hätte.

 

Parallel zu den internationalen Anforderungen und denen in der Bundesliga - dem "Tanz auf zwei Hochzeiten" - gelang 1994 zum 5. Mal der Einzug ins Pokalendspiel in Berlin. In einem etwas glanzlosen Spiel gegen den Zweitligisten Rot-Weiß Essen gewann die Mannschaft zum drittem Mal den deutschen Pokal.

 

Noch ein letztes Mal sollte sich in der Ära Rehhagel eine erfolgreiche Bundesliga-Saison anschließen. In einem "Kopf-an-Kopf-Rennen" mit Borussia Dortmund stand Werder mit einem Punkt Vorsprung vor dem letzten Spieltag an der Tabellenspitze. Während Dortmund sein Heimspiel gewann, konnte Werder bei Bayern München keine große Gegenwehr entwickeln und fuhr mit einer deprimierenden Niederlage nach Haus.

 

Schon in den Wochen um den Jahreswechsel 1995 machte Werder, wenn auch auf anderem Gebiet, bundesweite Schlagzeilen. Nach 14jähriger Tätigkeit als Cheftrainer bei Werder Bremen hatte Otto Rehhagel seinen Wechsel (ausgerechnet) zum großen Rivalen FC Bayern München bekannt gegeben. Auch daher hatte das eben erwähnte letzte Spiel seine Brisanz.

 

Die Verpflichtung des neuen Cheftrainers Aad de Mos leitete auch personell einen Umbruch in der Mannschaft und ein vorläufiges Ende der Erfolgsjahre ein. Da die Mannschaft "in die Jahre gekommen war", mussten Neuverpflichtungen die Lücken schließen. Nach nur einem halben Jahr trennte sich der Verein vom Niederländer. Auch sein Nachfolger, der vom DFB geholte Hans-Jürgen ("Dixie") Dörner hatte wenig Fortune. Nach erfolgreicher Aufholjagd von einem Abstiegsplatz im Winter 1995 gelang zwar ein Platz im Mittelfeld, das für die folgende Saison ausgegebene Ziel des Erreichens eines "internationalen Platzes" wurde jedoch verfehlt. Nach einem enttäuschenden Abschneiden im UI-Cup in der Sommerpause und erfolglosen Spielen in den ersten Spielen der Saison 1997/98 war auch die Ära Dörner durch vorzeitige Entlassung beendet. Er wurde abgelöst durch Wolfgang Sidka. Mit ihm schaffte der Verein noch den neunten Tabellenplatz und qualifizierte sich über den UI-Cup für den UEFA-Cup. Im Herbst 1998 wurde der glücklose Wolfgang Sidka dann durch Felix Magath abgelöst, der aber auch nicht den erhofften Erfolg brachte.

 

Im Februar 1999 feierte der Verein seinen 100jährigen Geburtstag. Im gleichen Jahr übernahm am 10. Mai Thomas Schaaf den Posten als Cheftrainer und feierte kurz darauf überraschend den DFB-Pokalsieg gegen Bayern München nach Elfmeterschießen. Ein Jahr später traf Werder die Münchener Bayern in Berlin beim Pokalfinale erneut, nur dieses mal verlor man das Spiel mit 0 : 3 nach einer sehr schlechten Leistung. Trotzdem qualifizierte sich Werder erneut für den UEFA-Cup.